...wenn er immer so einen Riesen hinter sich maschieren hört.

Nachklänge für Orchester

Als einzige inhaltliche Vorgabe des Auftraggebers war ein Bezug zu Ludwig van Beethoven verlangt, denn das „Rahmenprogramm“ mit Beethovens Violinkonzert und seiner 5. Sinfonie und die damit unausweichlich verbundene „Sandwichposition“ meines Werkes standen von Anfang an fest.
Ich werde nie eine Symphonie komponieren! Du hast keinen Begriff davon, wie es unsereinem zu Mute ist, wenn er immer so einen Riesen hinter sich marschieren hört schreibt Johannes Brahms mit Bezug auf den Riesen Beethoven Anfang der 1870er Jahre an Hermann Levi.
Wie ergeht es einem Komponisten heute, der den übermächtigen Riesen „Tradition“ im Konzertbetrieb ständig hinter sich her marschieren hört? Mit diesem Umstand nur zu hadern scheint mir zu wenig, ihn bewusst in ein Werk einzubeziehen eine mögliche Lösung.
Ich habe daher Beethovens Violinkonzert als personifizierten Riesen der Tradition gewählt und mein Werk als unmittelbaren, sehr subjektiven Nachklang dazu komponiert.

Auf kompositionstechnischer Ebene verwende ich fast ausschließlich rhythmisches und melodisches „Originalmaterial“ aus dem Violinkonzert, ohne jedoch ins hörbar zitathafte abzugleiten und verarbeite dieses u.a. mit „Nachklangtechniken“ wie Kanon und Echo.

Auf dramaturgischer Ebene ist das Werk eine Abfolge kleiner „Solokonzerte“ (Klarinette, Pauke, Violine und Trompete) mit Orchesterzwischenspielen, denn der Begriff „Riese“ lässt sich wohl am besten aus der Perspektive der scheinbaren Unterlegenheit eines Einzelnen im Verhältnis zu einem scheinbar übermächtigen „Etwas“ heraus nachempfinden.

Dauer: ca. 12 Minuten

2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten in A, 2 Fagotte, 2 Hörner in F, 2 Trompeten in C, 4 Pedalpauken, Violine I, Violine II, Viola, Violoncello, Kontrabass

Standardbild

: 2007

Uraufführung:

28.01.2008, Stefaniensaal Graz

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recreation- Großes Orchester Graz

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Partitur

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Forum Zeitgenössische Musik