Piano Trio NO. 1

For Violin, Violoncello & Piano

Das jazz-inspirierte Werk ist zwar nicht als Programmmusik gedacht, dennoch hat es einen außermusikalischen Inhalt, den der junge Komponist folgendermaßen beschreibt: "Es ist dies das Streben des Menschen nach Idealen und Vorstellungen des eigenen Lebens,... das unvermeidliche Scheitern an diesen und die damit verbundenen emotionalen Höhen, Tiefen und Selbstzweifel".

Anmerkungen des Komponisten Johannes Berauer:
Das Werk entstand auf Anregung des jungen aufstrebenden Eggner Trios und wurde im Zeitraum von Oktober 2006 bis Januar 2007 in Boston komponiert. Es ist nicht als Programmmusik konzipiert, sondern ist primär nach rein musikalischen Organisationsprinzipien gebaut. Die wichtigsten Elemente im ersten Satz sind die kleine Septime und der Quintenzirkel, die für musikalische Kohärenz sorgen. Im zweiten Satz ist es die Nebennote G-Ab-G des Themas, aus welcher der Satz konstruiert ist. Im dritten sind es der Dur Tetrachord in allen zwölf Transpositionen, sowie der Orgelpunkt E, der sich schließlich nach F auflöst.
Trotzdem schien sich während des Schreibens ein außermusikalischer Inhalt zu manifestieren, und dem Werk einen Bogen zu geben. Es ist dies das Streben des Menschen nach Idealen und Vorstellungen des eigenen Lebens, oder auch nach gesellschaftlichen Normen, das unvermeidliche Scheitern an diesen und die damit verbundenen hervorgerufenen emotionellen Höhen, Tiefen und Selbstzweifel.
Der erste Satz, mit seiner fast kindlichen Naivität und Lebensfreude, beschreibt eine Welt, in der Ideale und Vorstellungen noch fehlen. Das Kind lebt im Augenblick, und Selbstzweifel sind ihm fremd. Dies ist der Zustand, mit dem wir ins Leben starten und wohl auch der Zustand, den wir später wieder zu finden suchen.
Der Zweite Satz beinhaltet das ewige Verlangen des Menschen, das Ringen mit der eigenen Unvollkommenheit und die Einsicht, dass man seine Ideale wohl nie erreichen wird, egal wie sehr man danach strebt.
Jedes der drei Instrumente hat Gelegenheit, die Sehnsucht und das Scheitern in einer scheinbar improvisierten Passage auszudrücken. Improvisation ist eine der unmittelbarsten und kraftvollsten Möglichkeit des Menschen, sich musikalisch auszudrücken. Ich habe versucht Stimmen zu komponieren, welche die emotionelle Intensität und Spontaneität der Improvisation zu vermitteln mögen.
Der dritte Satz versucht nun eine Antwort für dieses Dilemma zu finden. Die strenge kompositorische Struktur deutet auf eine höhere Ordnung hin, die das Streben des Einzelnen relativiert. Die Antwort lautet vielleicht, dass, so lange man sehnt und strebt, man sein Ziel nicht erreichen kann. Es ist dies das Paradoxon, das in allen Versuchen, Vollkommenheit zu erlangen schlummert. Nämlich: so lange man etwas versucht, ist es einem per Definition noch nicht gelungen.
Vielleicht muss man daher aufhören zu suchen, aufhören zu streben, vielleicht gibt es im Leben nichts zu erreichen, als das was ist zu (er)leben?
Johannes Berauer, September 2007

Violine, Violoncello, Piano

Standardbild

: 2007

:

Partitur

:

Forum Zeitgenössische Musik

Verlag:

Doblinger
Wien, München
Verlags-Nr.:37226