Granit

Streichquartett nach der gleichnamigen Novelle von et in memoriam Adalbert Stifter

I. Drei Themen (Ein munterer Jüngling – der Großvater – der Wagenschmierverkäufer) werden zum eröffnenden
Hauptthema „Granit“ polyphon exponiert, schließlich miteinander verwoben und münden in die Unordnung;
so wie das nicht Kristalle bildende Konglomerat eine gewisse „Unordnung in der Ordnung“ repräsentiert,
ist die Eröffnung in Stifters Novelle eine Unordnung: Der Knabe wird gezüchtigt für einen Schabernack,
der dem Pechverkäufer vergönnt wäre. Im abstrakten Sinne mögen die drei Themen auch für Feldspat
– Quarz – Glimmer – erkannt werden.
II. Die Pest in Oberplan. Ein Totentanz zieht auf, haschende Geister, die Bewegung des Sensenmannes,
darüber der niederländische Cantus firmus „Mein junges Leben hat ein End“; dieser formt sich – nach dem
Läuten des Totenglöckchens – zum Klagelied und schließlich zum abschließenden Trauerchoral aus.
III. Die zwei Kinder durchstehen die Mühen der Pest und ihrer Folgen: Sie haben ihre Eltern verloren, wissen
sich zu retten, unbeschwerte Freude lässt sie einen Reigen tanzen, der dennoch etwas Morbides an sich
hat.
IV. Vision. Der Knabe träumt (Traummotiv – kehrt als Rondohauptthema immer wieder) – abweichend von
Stifters Novelle durchziehen hauptsächlich zwei Themenkreise den Kinderkopf: Vision der Vögel und Vision
des heimatlichen Flusses, auch der häusliche Stein vor der Tür (Granit) macht sich bemerkbar. Die Vision
klärt sich in einem Abgesang (dem ein Hesse-Gedicht zugrunde liegt) ab. Womit auch beabsichtigt alle vier
Elemente das Streichquartett „streifen“: Erdverbundenes Gestein in I, Feuer im Totentanz II, Luft (Vögel) und
Wasser (Fluss) in IV.
Rupert Gottfried Frieberger

Dauer: ca. 20 Minuten

Violine I, Violine II, Viola, Cello

Standardbild

: 1993

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Partitur

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Forum Zeitgenössische Musik